
Der Fall um die kanadische ₿itcoin-Börse QuadrigaCX macht Schlagzeilen: Ein verstorbener alleiniger Geschäftsführer, verlorene Private Keys, mit ihnen verlorene Kryptowährungen und viele Fragezeichen. Nun gibt es ein Update aus dem Gerichtssaal. Das bedeutet erst einmal: Abwarten.
Der Fall QuadrigaCX in Kürze: Der Tod des Gerald W. Cotten a.k.a. Gerry
Am 1. Februar über den Fall QuadrigaCX: Die kanadische ₿itcoin-Börse teilt auf ihrer Webseite mit, dass sie die Private Keys und die Zugänge zu ihren Cold Wallets verloren hat. Das bedeutet: Die zur Sicherheit auf Cold Wallets ausgelagerten Kryptowährungen sind erst einmal verloren. Dabei handelt es sich um eine Menge Geld (offizielle Bestandsaufnahme vom 18. Januar 2019):
- 26.488,59834 ₿itcoin (BTC) (etwa 90,4 Millionen US-Dollar )
- 11.378,79082 ₿itcoin Cash (BCH) (etwa 1,3 Millionen US-Dollar)
- 11.149,74262 ₿itcoin Satoshis Vision (BSV) (etwa 644.979 US-Dollar)
- 35.230,42779 ₿itcoin Gold (BTG) (etwa 326.104 US-Dollar)
- 199.888,408 Litecoin (LTC) (etwa 6,6 Millionen US-Dollar)
- 429.966,0131 Ethereum ETH (etwa 44,3 Millionen US-Dollar)
Das sind insgesamt etwa 144 Millionen US-Dollar an diversen Kryptowährungen, die als verloren gelten.
Der Grund dafür: Der ehemalige Betreiber Gerald W. Cotten a.k.a. Gerry von QuadrigaCX erlag seiner Krankheit Morbus Crohn im Alter von 30 Jahren. Da er laut seiner Witwe Jennifer Robertson der einzige war, der Zugriff auf die kryptographischen Schlüssel für das eingelagerte Geld hatte, kommt nun niemand mehr an das Kapital. Wie man den bzw. den Aussagen Robertsons entnehmen kann, hatte er die nötigen Schlüssel auf seinem persönlichen Laptop eingelagert, zu dem letzten Endes nur er Zugang hatte.
Da der Zugang zu Kryptowährungen ihrer Natur gemäß so gut wie nicht zu entschlüsseln ist, kam es im Anschluss zu Liquiditätsproblemen der Börse: Quadriga konnte ihre Kunden nicht mehr ausbezahlen. (Ein Grund übrigens, warum jeder im Besitz seiner Private Keys sein sollte, seine Kryptowährungen nicht länger als nötig auf den Börsen lagern sollte und dezentrale Exchages in der Zukunft zu einem immer größeren Thema werden werden).
Zweifel am Tod des Besitzers
Nun dauerte es nicht sonderlich lange, bis in der Krypto-Community Zweifel an der Sache aufkamen: Hat „Gerry“ seinen Tod nur vorgetäuscht? Macht er mit seiner Frau gemeinsame Sache und will sich mit den Kryptowährungen aus dem Staub machen? Die Zweifel waren nicht ganz haltlos: , meint die Analysefirma Zero Research Proof herausgefunden zu haben, dass es den Cold Storage, also die ausgelagerten Kryptowährungen, nie gegeben habe. Vielmehr hätten die Betreiber Auszahlungen immer nur vom Zufluss neuer Liquidität finanziert. Blieben Einzahlungen aus, konnten Kunden demnach keine Abbuchungen durchführen.
Aktuell ist jedoch keine der beiden Thesen bewiesen. Im Falle, dass sich „Gerry“ jedoch mit den Private Keys aus dem Staub gemacht haben könne, besteht aufgrund der Transparenz der ₿itcoin Blockchain theoretisch die Möglichkeit, etwaige Coin-Bewegungen nachzuvollziehen. So würde ein eventueller Betrug unter Umständen auffallen.
Quadriga erhält Gläubigerschutz über Ernest & Young
Nun kam es am 05. Februar zu einer . Denn die kanadische ₿itcoin-Börse Quadriga beantragte beim Gericht Gläubigerschutz. Damit versuchte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernest & Young, der Firma (bzw. deren neuem Aufsichtsrat) etwas Zeit zu erkaufen. Diesem Antrag gab das Nova Scotia Supreme Court am 05. Februar statt. Damit ist Ernest & Young nun damit beauftragt, die Führung von Quadriga zu überwachen. Ferner wird sie dahingehend in Zusammenarbeit mit Quadriga versuchen, die verlorenen Private Keys wieder ausfindig zu machen. Ein weiterer möglicher Schritt wäre der Verkauf der Plattform, um die Kunden der Börse zu entschädigen.
Liquidität hat oberste Priorität
Wie die QuadrigaCX nun auf , stehe im Zuge des Gläubigerschutz nun die Wiederbeschaffung der verlorenen Einlagen an oberster Stelle. Da es in der Vergangenheit bisher nicht möglich gewesen sei, das zu tun, habe man Ernest & Young als Auditor beauftragt. Nur so könne QuadrigaCX die (Über-)Lebensfähigkeit der Börse weiterhin garantieren. Die Entscheidung, den Gläubigerschutz zu beantragen, sei letztlich darin begründet, dass man „nicht erwarte, in Kürze eine Lösung zu finden“. Durch den Gläubigerschutz ist QuadrigaCX für die nächsten 30 Tage vor Schadensersatzklagen geschützt, die Frist kann jedoch auf Antrag verlängert werden.
Aktuell verspricht jedenfalls, dass sie alle nötigen Kundendaten abgespeichert hätten und diese darüber hinaus nach und nach abarbeiten würden – die Kunden sollen also entschädigt werden.
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Published at Wed, 06 Feb 2019 10:00:50 +0000